Magen & Darm beim Pferd – warum „ein Pferd ist kein kleiner Wiederkäuer" mehr ist als eine Floskel
Anatomie, Erkrankungen, Ursachen und naturheilkundliche Begleitung – über 26 Jahre Praxiserfahrung.
Pferde haben einen relativ kleinen Magen (15–20 Liter), können nicht erbrechen und sind auf kontinuierliche Rohfaseraufnahme ausgelegt. Schon kleine Managementfehler wie lange Futterpausen, abrupte Futterwechsel, Stress oder minderwertiges Raufutter können das Verdauungssystem aus dem Takt bringen.
Bei Kolikverdacht gilt immer: sofort Tierarzt rufen.
- Der Pferdemagen ist im Verhältnis zur Körpergröße klein (15–20 Liter), produziert kontinuierlich Magensäure und ist auf häufige Rohfaseraufnahme angewiesen. Pferde können nicht erbrechen.
- Magengeschwüre (EGUS) treten bei 50–90 % der Sport- und Rennpferde auf. Kolik hat eine jährliche Inzidenz von 10–15 %. In ca. 80 % der Kolikfälle spielen Fütterungsfehler eine Rolle.
- Fütterung, Haltung und Stressbelastung sind die drei zentralen Stellschrauben – nicht „Extras", sondern Grundlagen.
- Der Darm ist mehr als ein Verdauungsorgan: Schleimhautstatus, Mikrobiom und Stoffwechsel beeinflussen das gesamte Tier. Daher betrachten wir im THZ den Magen-Darm-Trakt als zentrales Stellrad vieler Themen.
- Bei Kolikverdacht: sofort tierärztliche Versorgung. Bei chronischen Themen lohnt ein strukturierter Blick auf Ursachen statt symptomatische Einzelmaßnahmen.
Warum der Pferdedarm so sensibel ist
Wer Pferde mit Verdauungsthemen begleitet, kommt nicht um die Anatomie herum. Pferde sind in jeder Hinsicht keine kleinen Wiederkäuer und schon gar keine Hunde – ihr Verdauungssystem ist evolutionär auf eine ganz bestimmte Lebensweise zugeschnitten, die mit unseren Haltungsformen häufig kollidiert.
Der Magen – klein, säurereich, ohne Reset-Knopf
Der Pferdemagen fasst bei einem 500-kg-Pferd nur 15–20 Liter. Er ist L-förmig und besteht zu etwa zwei Dritteln aus einem drüsenlosen Bereich (Pars proglandularis), der besonders empfindlich auf saure Belastung reagiert. Anders als bei Mensch, Hund oder Katze produziert der Pferdemagen kontinuierlich Magensäure – auch ohne Futter im Magen. In freier Wildbahn ist das kein Problem, weil das Pferd als selektiver Dauerfresser fast permanent kaut und über Speichel (10–15 Liter täglich bei ausreichender Heumenge) puffert.
Lange Fresspausen, die in vielen Haltungsformen Alltag sind, kehren dieses Gleichgewicht um: Säure trifft auf leeren Magen, die ungeschützte Schleimhaut im drüsenlosen Bereich wird gereizt. Aus dieser Konstellation entstehen viele der heute so verbreiteten Magengeschwüre (EGUS – Equine Gastric Ulcer Syndrome). Empirische Erhebungen zeigen Geschwürs-Häufigkeiten von 50–90 % bei Renn- und Sportpferden, 30–60 % bei Freizeitpferden, und auch bei Fohlen treten EGUS-Geschwüre auf.
Hinzu kommt: Pferde können nicht erbrechen. Was Mensch, Hund und Katze bei verdorbenem Futter durch Erbrechen entsorgen, muss das Pferd „durcharbeiten". Bei verfressenen Pferden mit großen Kraftfuttermengen droht im Extremfall eine Magenruptur (Empfehlung daher: maximal 0,5 kg Kraftfutter pro Mahlzeit).
Der Darm – ein Schlauch von rund 30 Metern
Der Pferdedünndarm ist 19–30 Meter lang (Zwölffingerdarm 1–1,5 m, Leerdarm 17–28 m). Sein langes Gekröse erlaubt viel Bewegungsspielraum – mit dem Risiko, dass sich Darmschlingen verlagern, strangulieren oder verknoten. Daraus entstehen die gefürchteten Strangulationsileus-Bilder mit hohem Operationsrisiko.
Das Kolon (Dickdarm) ist 3–4 Meter lang, fasst 60–130 Liter und ist der eigentliche Ort der mikrobiellen Faserverwertung. Hier leben unzählige Bakterien, Pilze und Einzeller – das Mikrobiom des Pferdes. Dieses Mikrobiom verdaut die Rohfaser, die das Pferd selbst nicht spalten könnte, und produziert dabei kurzkettige Fettsäuren als Energiequelle. Es ist gleichzeitig Schutzbarriere gegen pathogene Keime und ein wesentlicher Teil der Immunkommunikation des Tieres.
Verschiebt sich das Mikrobiom (Dysbiose), entstehen Probleme, die weit über die Verdauung hinausreichen können – Themen, denen wir uns weiter unten zuwenden.
Häufige Erkrankungen im Überblick
Gastritis und Magengeschwüre (EGUS)
Die Magenschleimhautentzündung beim Pferd (Gastritis) und ihre fortgeschrittenere Form, das Magengeschwür (EGUS, EGGUS), gehören zu den häufigsten Verdauungsproblemen moderner Pferdehaltung. Bei einer Gastritis ist die Magensaftsekretion verändert: Dadurch verschiebt sich das sensible pH-Wert-Gefälle des Magens, das physiologisch von fast neutralen Werten (pH 5–7) im drüsenlosen Bereich bis hin zu stark sauren Werten (pH 1–2) im drüsenhaltigen Bereich reicht.
Klassische Auslöser sind: lange Fresspausen, hohe Stärkemengen pro Mahlzeit, Stress (mit erhöhtem Cortisol), Schmerzbelastung, intensives Training auf nüchternen Magen, Medikamentengaben (NSAR erhöhen das Geschwürrisiko deutlich) und massiver Wurmbefall. Auch reisebedingte Belastung und Stallwechsel können EGUS auslösen.
Typische Symptome: häufiges Gähnen, Leerkauen, unangenehmer Maulgeruch, Müdigkeit, Konditionsverlust, schnelles Schwitzen, Appetitlosigkeit, Abmagerung – und nicht selten unspezifische Rittigkeitsprobleme („das Pferd lässt sich nicht mehr gurten", „beißt nach dem Gurt"). Bei Verdacht ist die Gastroskopie (Magenspiegelung) das diagnostische Mittel der Wahl beim Tierarzt.
Kolik beim Pferd
„Kolik" ist beim Pferd kein Befund, sondern ein Sammelbegriff für schmerzhafte Krankheitszustände des Magen-Darm-Trakts. Jährliche Inzidenz: 10–15 %, von den betroffenen Pferden erleiden etwa 50 % wiederholt Koliken, 5–10 % der operativ behandelten Koliken verlaufen tödlich. Die häufigsten Auslöser sind Fütterungsfehler (ca. 80 %), gefolgt von Stress, abruptem Wetterumschwung, Bewegungsmangel, Wurmbefall und Gefäßveränderungen (Thrombosen, Stenosen) durch frühere Larvenwanderungen.
Unterschieden wird unter anderem in:
- Krampfkolik – schmerzhafte Spasmen der Darmmuskulatur, oft stressbedingt
- Gaskolik (Tympanie) – Vergärung und Gasansammlung, häufig nach Wechselbeweidung auf nährstoffreichem Gras
- Verstopfungskolik (Obstipation) – häufige Form, oft an typischen Engstellen wie Beckenflexur
- Sandkolik – durch Sandaufnahme auf abgegrastem Boden; ab etwa 5 kg Sand im Darm diagnostisch relevant per Auskultation (Abhorchen auf das typische ‚Meeresrauschen‘), Kot-Sedimentationstest oder Röntgenuntersuchung
- Strangulationskolik – Darmverschlingung, Einklemmung, Invagination – immer Notfall
- Magenüberladung / Magenruptur – bei Überfressen oder Magenentleerungsstörung
Bei jedem Kolikverdacht muss unverzüglich ein Tierarzt hinzugezogen werden. Die diagnostische Abklärung erfolgt über Allgemeinuntersuchung, Pulsfrequenz, Schleimhautfarbe, Rektalpalpation, ggf. Ultraschall, Nasenschlundsonde und Bauchpunktion. Bei chirurgischem Bedarf liegen die Kosten einer Klinik-Laparotomie zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh als einmal zu spät anrufen.
Während Sie auf den Tierarzt warten: Pferd ruhig halten, Futter entziehen, kein Wasser anbieten, keine eigenmächtigen Medikamentengaben ohne tierärztliche Rücksprache, nicht in den Wälzkampf eingreifen außer zur eigenen Sicherheit. Vitalwerte (Puls, Atmung, Schleimhautfarbe) notieren.
Enteritis – akute und chronische Darmentzündung
Bei einer Enteritis ist die Darmschleimhaut entzündet, oft mit massivem Durchfall und damit verbundenem Wasser- und Elektrolytverlust (bei schwerer Verlaufsform können Pferde 50–100 Liter Flüssigkeit pro Tag verlieren). Akute Enteritiden können milde verlaufen, in schweren Verlaufsformen ist auch bei intensiver Infusionstherapie nicht jedes Pferd zu stabilisieren. Chronische Enteritiden mit irreversibler Schädigung der Darmwand sind tierärztlich anspruchsvoll und prognostisch belastet.
Ursachen sind häufig Fütterungsfehler (verdorbenes Heu, abrupte Futterwechsel, Mykotoxine), Stress, bakterielle Infektionen (z. B. Salmonellen, Clostridien), virale Auslöser (Equines Coronavirus), Parasitenbefall und Medikamentenfolgen. Die tierärztliche Abklärung mit Kot- und Blutdiagnostik ist hier zwingend.
Durchfall und Kotwasser
Durchfall (Diarrhoe) und Kotwasser (FFWS – Free Fecal Water Syndrome) werden häufig gleichgesetzt, sind aber zwei unterschiedliche Phänomene. Beim Durchfall ist die gesamte Kotkonsistenz dünn. Beim Kotwasser kommt zusätzlich zum geformten Kot Flüssigkeit ab, die das Pferd auf Schenkeln und Schweif verschmutzt. Beide Phänomene haben überschneidende, aber nicht identische Ursachen.
Ursachen für echten Durchfall (Diarrhoe):
Beim echten Durchfall ist die gesamte Darmflora gestört oder die Darmschleimhaut so massiv entzündet (wie oben bei der Enteritis beschrieben), dass der Dickdarm überhaupt kein Wasser mehr resorbieren kann.
- Akute Infektionen: Bakterien (Salmonellen, Clostridien) oder Viren (Equines Coronavirus).
- Schwere Fütterungsfehler: Plötzliche, radikale Futterumstellungen oder die Aufnahme von verfaultem, schimmeligem Futter.
- Medikamente: Antibiotika, die die nützlichen Darmbakterien abtöten
Wir haben dem Kotwasser einen eigenen Sub-Ratgeber gewidmet, der die Hintergründe – inklusive der Studien von Schoster, Theelen und Kienzle – im Detail einordnet.
Was Kotwasser von Durchfall unterscheidet, welche Ursachen besonders häufig sind und wie Fütterung, Haltung und Stress zusammenspielen, behandeln wir ausführlich im Sub-Artikel.
→ Kotwasser beim Pferd – Ursachen, Hintergründe, Begleitung
Die wichtigsten Ursachen im Alltag
Fütterungsfehler – die häufigste Quelle
In etwa 80 % der Koliken und im Großteil der EGUS-Fälle spielen fütterungsbedingte Faktoren eine zentrale Rolle. Die wichtigsten Muster:
- Lange Fresspausen – über vier Stunden ohne Rohfaser erhöht das Magengeschwürrisiko deutlich. Empfehlung: kontinuierlicher Heuzugang, idealerweise 18–24 g Heu pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.
- Hohe Kraftfuttermengen pro Mahlzeit – Stärke, die im Dünndarm nicht vollständig verdaut wird, gelangt in den Dickdarm und löst dort Fehlgärungen aus. 1 Gramm Stärke pro Kilogramm Körpergewicht und Mahlzeit. Faustregel: 1,5 bis 2 g Kraftfutter pro kg Körpergewicht pro Mahlzeit (bei einem 600-kg-Großpferd entspricht dies einer Obergrenze von ca. 0,9 bis 1,2 kg pro Fütterung).
- Abrupte Futterwechsel – das Mikrobiom braucht 10–14 Tage, um sich auf ein neues Futter einzustellen. Plötzliche Umstellungen lösen Dysbiosen aus.
- Schlechte Heuqualität – Schimmel, Mykotoxine, verholzte Pflanzenteile, überständiges Heu. LUFA-Heuanalysen sind bei Risikopferden eine sinnvolle Investition.
- Wechselbeweidung auf nährstoffreichen Weiden – in fetten Sommern mit viel Regen und Sonne steigt der Zuckergehalt im Gras, das Gaskolik-Risiko erhöht sich; (bei intensivem Sonnenschein und gleichzeitig niedrigen Temperaturen) sowie nach Trockenperioden steigt der Zucker- und Fruktangehalt im Gras abrupt an.
- Sandaufnahme auf abgefressenen Weiden oder bei Fütterung auf sandigem Boden ohne Unterlage.
- Wassermangel – ein 500-kg-Pferd benötigt 30–50 Liter Wasser pro Tag, im Sommer und bei Arbeit deutlich mehr. Tränkversorgung und Wassertemperatur sind oft unterschätzt.
Haltung und Bewegung
Das Steppentier Pferd ist auf permanente, niedrigschwellige Bewegung ausgelegt. In freier Wildbahn legt es täglich 15–25 Kilometer zurück. In moderner Haltung ist diese Bewegung oft auf wenige Stunden Auslauf reduziert.
Studien zeigen: Pferde im Paddock- oder Aktivstallsystem haben ein deutlich geringeres Kolikrisiko als Pferde in reiner Boxenhaltung – Schätzungen sprechen von einer Reduktion um etwa 50 %. Bewegung fördert die Darmmotilität, verbessert die Durchblutung im Bauchraum und reduziert die Gefahr von Verstopfungskoliken.
Die Haltungsempfehlung muss nicht zwingend „Offenstall um jeden Preis" lauten. Eine Box mit angeschlossenem Paddock und mehrfach täglich Auslauf kann ebenso funktionieren – entscheidend ist die Bewegungsmöglichkeit über den Tag verteilt, nicht eine einzelne lange Trainingseinheit.
Stress und psychische Belastung
Stress ist beim Pferd kein „Psychothema" – er wirkt biochemisch. Erhöhtes Cortisol verändert die Darmmotilität, beeinflusst die Schleimhautdurchblutung und schwächt die Darmbarriere. Chronischer Stress fördert die Geschwürentstehung, kann Durchfall und Kotwasser auslösen und Allergiebereitschaft erhöhen.
Stress hat beim Pferd viele Gesichter: sozialer Stress in der Herde (Rangkämpfe, Verdrängen vom Futter, instabile Herde), häufige Pferdebewegungen am Stall, ein wenig einfühlsamer Reiter, abrupte Umstellungen (Stall- oder Besitzerwechsel), unregelmäßige Fütterungszeiten, lange Boxenphasen, Schmerzbelastung durch andere Erkrankungen, laute Geräusche, Gewitter, Turnierbelastung. Was beim einzelnen Pferd Stress auslöst, ist individuell verschieden. Aufmerksame Beobachtung ist hier wichtiger als jede pauschale Empfehlung.
Symptome erkennen – frühe und späte Warnzeichen
Magen- und Darmprobleme zeigen sich beim Pferd oft unspezifisch. Die folgende Übersicht hilft, Frühzeichen ernster zu nehmen:
- Häufiges Gähnen, Leerkauen – mögliche Hinweise auf Magenschleimhautentzündung
- Unangenehmer Maulgeruch – kann auf gestörte Magenfermentation hinweisen
- Sensibilität beim Gurten, beim Putzen am Bauch – mögliche Schmerzzeichen
- Konditionsverlust, Abmagerung trotz normaler Fütterung – Resorptionsstörung im Dünndarm möglich
- Auffälliger Kot – zu trocken, zu feucht, unverdaute Futterbestandteile, Schleim, Blut
- Veränderter Appetit, wählerisches Fressverhalten
- Häufiges Scharren, Flehmen, Umschauen zum Bauch – kolikartige Symptome ernst nehmen
- Plötzliche Rittigkeitsprobleme, Verhaltensänderungen – Schmerz oft erst spät als solcher erkannt
Bei jedem unklaren Verlauf gehört die tierärztliche Abklärung dazu. Naturheilkundliche Begleitung ersetzt keine veterinärmedizinische Diagnostik.
Warum der Darm im Zentrum vieler Pferdethemen steht
Im Tierheilkundezentrum Nehls schauen wir bei vielen Krankheitsbildern, die scheinbar nichts mit Verdauung zu tun haben, zuerst auf den Magen-Darm-Trakt. Das ist keine Mode, sondern hat einen guten Grund: Der Darm ist mehr als ein Verdauungsorgan. Er ist Resorptionsfläche, Schleimhautbarriere, Standort des Mikrobioms, größtes Immunorgan und über die Darm-Hirn-Achse mit dem vegetativen Nervensystem verbunden.
Veterinärmedizinisch und human ist mittlerweile etabliert: Etwa 80 % der Immunzellen des Körpers liegen in oder um die Darmschleimhaut – das sogenannte GALT (Gut Associated Lymphoid Tissue). Ist die Darmbarriere gereizt, entzündet oder das Mikrobiom verschoben, hat das Konsequenzen, die weit über die Verdauung hinausgehen können:
- Haut und Fell: Wenn die Entgiftungswege Leber und Darm überlastet sind, kann die Haut kompensatorisch als Ausscheidungsorgan einspringen. Hautreaktionen, Juckreiz und Allergiebereitschaft können hier ihren Hintergrund haben – das diskutieren auch Tierheilpraktiker-Fachgremien explizit für Themen wie das Sommerekzem.
- Stoffwechsel und Hufe: Dysbiose mit hohen Endotoxinwerten (LPS – Lipopolysaccharide aus Zellwänden bestimmter Bakterien) wird in der aktuellen Hufrehe-Forschung als ein möglicher Triggerfaktor für die Lamellenentzündung diskutiert.
- Atemwege: Die Schleimhäute von Darm und Bronchien stehen in immunologischer Verbindung. Eine instabile Darmbarriere kann mit erhöhter Allergiebereitschaft der Atemwegsschleimhäute einhergehen.
- Verhalten und Stressregulation: Die Darm-Hirn-Achse beeinflusst über den Vagusnerv und über Mikrobiom-Stoffwechselprodukte das Verhalten – ein Pferd mit chronischer Darmreizung kann auch im Umgang gereizter und nervöser sein.
Wichtig: Das ist keine Pauschalbegründung nach dem Muster „immer ist der Darm schuld". Es ist eine zusätzliche Perspektive, die dann hilfreich ist, wenn die Standardtherapie nicht greift oder Symptome immer wiederkehren. Wer aber den Darm nicht mitbetrachtet, übersieht häufig den entscheidenden Hebel. Genau hier setzen wir mit unserer naturheilkundlichen Begleitung an – nicht statt, sondern ergänzend zur tierärztlichen Versorgung.
Säureblocker beim Pferd – warum wir anders begleiten
Sobald ein EGUS-Befund vorliegt, wird in der Pferdemedizin meist Omeprazol verordnet – ein Protonenpumpenhemmer, der die Magensäureproduktion drosselt. Das ist bei akuten, schmerzhaften Geschwüren oft sinnvoll und manchmal alternativlos. Was wir aber in der Beratung immer wieder sehen: Omeprazol wird oft monatelang gegeben, ohne dass das eigentliche Problem – die Fütterung und das Management – konsequent geändert wird. Das Geschwür heilt unter dem Säureblocker ab. Nach dem Absetzen kommt es wieder. Und wieder. Und wieder.
Das Nehls-Argument: Säureblocker behandeln ein Symptom, nicht die Ursache. Ein Pferd, das den ganzen Tag steht, lange Fresspausen hat, Stärke pro Mahlzeit über der Toleranzschwelle bekommt und unter Stallstress steht, wird auch nach dem dritten Omeprazol-Zyklus wieder Geschwüre bekommen. Aus 26 Jahren Praxis: Die nachhaltige Strategie ist die unbequeme – Heumenge erhöhen, Fresspausen verkürzen, Kraftfutterportionen halbieren, Stress am Stall ehrlich anschauen. Das ist kein Naturheilkunde-Dogma, das ist Pferdephysiologie. Säureblocker können den Akut-Schmerz nehmen und Zeit schaffen, in der das Management umgebaut wird. Aber sie ersetzen das Umbauen nicht.
„Aus 26 Jahren Pferdebeobachtung: Ein Pferd, dessen Magen sich nach EGUS nachhaltig erholt, ist ein Pferd, dessen Halter etwas Grundsätzliches verändert hat. Mehr Heu, weniger Kraftfutter, mehr Bewegung, weniger Druck. Das ist die unangenehme Wahrheit über EGUS – und gleichzeitig die einzige, die hilft. Wer nur Medikamente gibt und das Management lässt, wie es ist, bekommt das Geschwür wieder."
– Tatjana Siebert, Geprüfte Tierheilpraktikerin (VDT) und Pferdezüchterin, THZ Tierheilkundezentrum NehlsVorbeugung im Alltag – die wichtigsten Stellschrauben
Heu zuerst, dann alles andere
Die Grundlage einer pferdegerechten Fütterung ist gutes Heu in ausreichender Menge. Faustregel: 18–24 g Heu pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (bei 500 kg Pferd: 10–12 kg Heu täglich). Bei leichtfuttrigen Pferden kann eine Heunetz-Lösung sinnvoll sein, um die Fresszeit zu strecken, ohne die Menge zu erhöhen. Bei Sportpferden ist Heu vor Kraftfutter Pflicht – Magensäure bei leerem Magen plus Kraftfutter ist eine der häufigsten EGUS-Konstellationen.
Kraftfutter – wenn, dann sinnvoll
Die meisten Freizeitpferde benötigen keine größeren Kraftfuttergaben. Wer Kraftfutter füttert: maximal 0,5 kg pro Mahlzeit, mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen. Stärkearme Müslis sind in vielen Fällen besser als reines Getreide.
Wasser sicherstellen
Frisches, sauberes Wasser jederzeit verfügbar – wenn möglich Selbsttränken regelmäßig kontrollieren. Im Winter darauf achten, dass Wasser nicht zufriert. Im Sommer und bei Arbeit erhöhter Bedarf.
Mineralfutter – passend zur Heuanalyse
Heu allein deckt selten den vollständigen Mineralstoffbedarf. Ein qualitativ hochwertiges Mineralfutter ohne Melasse und ohne synthetische Zusatzstoffe gehört zur Grundversorgung. Bei Themen ist eine individuelle Anpassung über die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" eine Möglichkeit, das Mineralfutter passend zur individuellen Lage auszuwählen.
Bewegung – täglich und kontinuierlich
Mindestens mehrere Stunden Auslauf täglich, idealerweise mit Sozialkontakt. Lange Boxenphasen ohne Auslauf erhöhen das Kolikrisiko deutlich.
Stressreduktion – soweit umsetzbar
Stabile Herdenkonstellation, geregelte Fütterungszeiten, ruhiger Umgang, individuell passende Auslastung. Stressquellen lassen sich nicht alle vermeiden, aber die meisten reduzieren.
Drei Bausteine aus dem Nehls-Sortiment
Im Tierheilkundezentrum begleiten wir Pferdehalter mit drei aufeinander abgestimmten naturbelassenen Ergänzungsfuttermitteln zur Fütterungsbegleitung empfindlicher Magen-Darm-Situationen:
Nehls Magen-Vet: Naturheilkundliches Ergänzungsfutter zur Fütterungsbegleitung empfindlicher Magen-Situationen. Pflanzenbasiert, ohne synthetische Zusätze.
→ Nehls Magen-Vet ansehenNehls Attis & Sunnys Magen & Darm Fit: Naturbelassene Kräutermischung zur Fütterungsbegleitung in Phasen empfindlicher Verdauung.
→ Attis & Sunnys Magen & Darm Fit ansehenNehls Darm Balance: Bestandteil im Fütterungsalltag rund um die Darmumgebung. Pflanzlich basiert.
→ Nehls Darm Balance ansehenNehls Pferdekräutermüsli Magen & Darm: Als Basisfutter oder Trägermüsli für die Kräutermischungen, trocken oder als Mash zubereitet.
→ Pferdekräutermüsli Magen & Darm ansehenDie VetLine – ein strukturiertes 3-Phasen-Konzept
Für Pferdehalter, die eine durchdachte, schichtweise aufgebaute Fütterungsbegleitung über mehrere Wochen einsetzen möchten, haben wir gemeinsam mit unserer Tierärztin Katrin Knecht die VetLine-Bausteine entwickelt. Die drei Bausteine sind so abgestimmt, dass sie nacheinander – nicht parallel – im Alltag eingesetzt werden können.
VetLine – Schichtenkonzept zur Fütterungsbegleitung
Baustein 1 – EnteroClean Powder oder Liquid: der erste Schritt in einer mehrstufigen Fütterungsbegleitung. Pflanzenbasiert, naturbelassen.
→ EnteroClean Powder ansehen→ EnteroClean Liquid ansehen
Baustein 2 – EnteroClean Basic: der zweite Schritt im Schichtenkonzept. Pflanzliche Konzentrate, Faserstoffe und Hefepräparat ergänzen die tägliche Ration.
→ EnteroClean Basic ansehenBaustein 3 – Metabo Rapid: der dritte Schritt mit Stoffwechselbezug für die anschließende Begleitphase.
→ Metabo Rapid ansehenEine individuelle Beratung zum Schichtenkonzept übernimmt unser Team gerne – die persönliche Begleitung ist hier wichtiger als jedes Online-Schema.
Erfahrungen aus der Praxis
Erfahrungen einzelner Pferde sind individuell und nicht garantiert übertragbar. Was bei einem Pferd wirkt, hilft dem anderen nicht. Genau deshalb arbeiten wir individuell – die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" zeigt uns die Hintergründe des einzelnen Tieres. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
„Mein Tinker hatte über Jahre Kotwasser. Heuanalyse, Mineralfutter angepasst, Stressquellen reduziert, dazu die Kräuter aus dem THZ – nach etwa drei Monaten war das Bild komplett anders. Was vorher als ‚das ist halt so' hingenommen wurde, war auflösbar, als wir den Darm konsequent betrachtet haben."
Tinker-Wallach, 11 Jahre, Begleitung über mehrere Monate
„Mein Warmblut hatte EGUS, das war per Magenspiegelung gesichert. Wir haben die Fütterung konsequent umgestellt – mehrere kleine Mahlzeiten, Heu vor Kraftfutter, deutlich weniger Stärke pro Mahlzeit. Mit Magen-Vet als Begleitung über die Schmerzphase hinaus war die Kontrollspiegelung nach acht Wochen deutlich besser. Den Stress am Stall mussten wir auch angehen, ohne das wäre es nicht stabil geworden."
Warmblut, 14 Jahre, EGUS-Begleitung
„Mein Friese hatte immer wieder Gaskoliken im Frühjahr – jedes Mal Klinik, jedes Mal Sorge. Mit Heuanalyse, Anweide-Plan und der VetLine über mehrere Wochen vor der Weidesaison sind wir jetzt das zweite Jahr ohne Kolik. Das war für uns ein Wendepunkt."
Friese, 9 Jahre, Begleitung im Frühjahrsmanagement
Häufige Fragen zu Magen und Darm beim Pferd
Verdauungsthemen, die nicht zur Ruhe kommen?
Wenn Fütterung und Haltung optimiert sind und trotzdem immer wieder Themen auftauchen, lohnt der Blick auf die individuelle Lage. Die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" macht sichtbar, wo bei diesem einen Pferd die Schwerpunkte liegen – Mineralstoffhaushalt, Stoffwechselbelastungen, individuelle Schwachstellen. Ausgewertet von Tatjana Siebert und unserem Team. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" →Wenn der Magen-Darm-Trakt im Gleichgewicht ist, ändert sich oft auch das, was man auf den ersten Blick gar nicht damit verbunden hätte. Wer tiefer einsteigen möchte, findet diese Themen in eigenen Cluster-Ratgebern:
- → Sommerekzem beim Pferd – Darm-Immunsystem-Haut-Achse
- → Hufrehe beim Pferd – Darm, LPS und Lamellenentzündung
- → Allergie beim Pferd – Darm-Schleimhaut-Achse
- → Atemwegserkrankungen beim Pferd – Schleimhautimmunität
